Jeden Abend entzündete der alte Mann sein Feuer. Im Winter etwas früher und demzufolge im Sommer etwas später.
Es war ein Ritus, der Jahrhunderte währte und sich immer wieder in dem Wissen erneuerte:
Ich habe ausgetan mein Licht – nun brenne du auf dein Licht.
Heute wie Gestern und wie es Morgen auch sein wird.
Wieder.
In den ganz alten Zeiten, flochten sie sich Gold in`s Haar, griffen sich bei den Händen und
zogen zwischen den Sternen durch die Zeit.
Ihr Kichern wurde dann zu einem Lachen, das weit hallte, indes sie ihre Hände warm umfassten.
Los, los lachte sie, ich mach nun aus mein Licht und nun brenne du auf dein Licht,
Lass nicht völlige Dunkelheit walten, wenn ich erloschen bin.
Da begann ihr Spiel.
Der alte Mann entsann sich noch gut, wie er das Erste mal der alten Frau – damals noch dem jungen Mädchen – nachsah, wie sie entschwand mit dem Versprechen wieder zu kommen, wenn er sich nur sein Feuer bewahre. Er hatte daraufhin suchend seine Taschen abgeklopfte bis er schließlich in einer dieser vielen Unendlichkeiten jenes Feuer fand, das nie erlosch und leuchtete still in die Kühle der Dunkelheit.
Es war eine lange Nacht, diese erste Nacht und in manchen Minuten war er sich gewiss, dass sie kein Ende finden würde, dass des Mädchens Feuer für immer erloschen war und allein das Funkeln der Sterne und sein stummes Leuchten durch die Nacht, blieb.
Doch sie kam wieder, das junge Mädchen kam wieder, hüllte den Horizont in einen zarten Lichtstreif um dann in ihrer ganzen Gestalt vor ihm zu erstrahlen.
Wie bist du schön, so wunderschön flüsterte er ihr zu und sie begann zu erröten ob der Ungewohntheit eines solchen Kompliments und der Himmel glühte weithin, orange rot.
Da lachte er leise in sich hinein, verlöschte sein Feuer und sammelte Kraft, für die nächste Nacht.
Ewig währte dieses Spiel schon zwischen ihnen und manches mal, hatte der alte Mann die Traurigkeit in sich gefühlt, darüber das er und die alte Frau immer auf ihren Bahnen kreisen mussten und ihnen nur die Frühlinspunkte blieben.
Wie die alte Frau immer wieder einmal, die Schleier vor sich zog, damit niemand ihre Traurigkeit sah, so begann der alte Mann zu schwinden.
Er wurde weniger, von seinem Feuer blieb nur ein kleiner Rest und in ihm sammelte sich ein Jahrhunderte altes Seufzen und Stöhnen.
Die alte Frau erinnerte ihn dann wieder an ihrer beider Versprechen, nicht die Dunkelheit walten zu lassen und sich ihre Feuer zu bewahren.
Die Frühlingspunkte, flüsterte sie ihm zu. Die Frühlingspunkte, zwischen Tag und Nacht, unsere goldenen Momente, in welchen du mich so oft erröten machst – brenne auf dein Licht, ich komm wieder – und während die alte Frau langsam, glutrot am Horizont erlosch,
entzündete der alte Mann sein Feuer und spürte, dass er wieder wuchs.
Ja, die goldenen Momente,waren es wert, diese Momente in der die Sehnsucht sich erfüllte und der Abschied schon darauf wartete seinen Stachel zu setzen, damit alles wieder von vorne begann.
Die Frühlinspunkte und die Universumssekunden wenn sie sich beide trafen, am lichten Tag und er seiner ewigen Geliebten so nahe kam, dass er die ganze Gestalt der alten Frau verdeckte und nur noch das Leuchten ihres Haares zu sehen war, dann füllten sie einander auf und an, und verstärkten durch einen innigen Kuss, ihre Jahrhunderte alten Bande – und die ganze Welt sah dabei zu - aber auch daran gewöhnte man sich, dachte der alte Mann und leuchtete friedlich durch die Nacht.