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Padum

vomLeben

Es ruckelt ein wenig, als der Zug anfährt. Die Glastüre, die die Abteile von einander trennt, schiebt sich mit einem hydraulischem -sch- langsam zu.

Das ist neu, dieses hydraulische sch.

Alt ist die Regelmäßigkeit mit der der Zug über die Holzplanken pollert. Pa-dum, Pa-dum

die ganze Strecke über wird mich das begleiten.

Alt sind auch die Menschen in ihrer Art.

Wie sie laut und grölend,

leise und verschüchtert

selbstverständlich und unsichtbar,

kichernd und schweigend,

hoffnungstragend und hoffnungslos,

ihre Plätze suchen und dann, je nach coleur dort Platz nehmen.

Ich sitz ja schon,

und mit jedem der neu zusteigt mutet es an, als säße ich schon ewig in diesem Zug.

Dabei kam es mir vor, als wär ich erst vorhin hinzu gestiegen.

Eingestiegen, in die Gleichförmigkeit des Pa-dum, Pa-dum.

Es lullt so schön ein, dieses Pa-dum, Pa-dum

und es ist so einfach sich diesem Singsang hinzugeben, gedankenlos mit dem Blick durch das Fenster, in dem die Welt vorbei zieht.

Ich betrachte diese endlose Weite, seh die modernen „Windmühlen“ und lass meine Gedanken zu Don Quichotte schweifen. Und es ist mir so, als ob ich ihn sehen könnte in diesen goldenen Feldern, mit seinem Rosinante und einem Herzen angefüllt von Sehnsucht und Liebe, zum Abenteuer und seiner Dulcinea.

Pa-dum, Pa-dum, Pa-dum schleicht es sich in die freigeistigen Abenteuer und meine Phantasie lässt sich einschläfern, lässt der Monotonie Raum und hat für nichts anderes Platz, als Pa-dum, Pa-dum.

 

Abenteuer, junges Fräulein und dabei lässt der ältere Herr, der mir gegenüber Platz genommen hat, dass R scharf rollen.

Abenteuer, sind eine wichtige Essenz im Leben, aber das dürfte ihrer Aufmerksamkeit gewiss nicht entgangen sein. Jetzt schaut er mich fast großväterlich über eine imaginäre Goldrandbrille an.

Ich verkneif mir einen Banalitätssprüch wegen des Fräuleins, wo mir doch fast ein halbes Jahrhundert zueigen ist und seh ihm zu,

wie er einen laptop auf dem kleinen Tischchen zwischen uns aufstellt.

Kurz darauf scheinen seine Finger über die Tastatur zu fliegen – klickerklacker-padum-klickerklacker-padum- ein neuer Rhythmus und immer wieder fällt sein Blick mit einem Lächeln auf mich.

Dabei trägt er nicht diesen abwesendem Ausdruck, wie ihn die wichtigen und unentbehrlichen Menschen tragen, wenn sie demonstrieren das die Zeit viel zu kostbar ist, um sie an Ausblicke und Einblicke, an die Muse der Reise zu verschwenden.

Mich freut diese Erkenntnis und gleichsam fühlt es sich an, als würde dieser Mann mir mit seinem Lächeln, eine warme Hand reichen.

Er nickt fast unmerkbar und lässt seine Finger weiter über die Tasten tanzen.

Dann scheint es, dass er genug geschrieben hat, zu seinem Lächeln gesellt sich ein Ausdruck von Zufriedenheit.

Kurz und nachdenklich ruht sein Blick auf mir , dann steht er auf, geht bis an das Ende des Abteils und zieht die Notbremse.

Es quietscht ohrenbetäubend, bis der Zug nach einer gefühlten Ewigkeit, ruckartig zum Stillstand kommt.

 

Mit einem Lächeln, das wieder an ein Hand reichen erinnert, winkt er mich zu sich und ich folge seiner Einladung als wäre dieser Umstand das Selbstverständlichste von Welt.

Ein beleibter Schaffner, der wie ein Rohrspatz auf die heutige Jugend flucht,eilt an uns vorbei und erst nachdem die Türen sich mit einem sanften Sch.... geschlossen hatten, wurde es still.

Sollen wir uns also nach draußen wagen? Die Türen öffnen und dem gleichförmigen Padum, die Einzigartigkeit des Moments gegenüber stellen?

Junges Fräulein, kommen Sie mit?

 

Und ich, das junge Fräulein, kam mit und reichte ihm die Hand, als wir die Stufen des Wagons hinunter stiegen und mitten im Türkis des Meeres standen. Die Sonne tanzte darin und hinterließ auf den sachten Kräuselungen der Meeresoberfläche silberne Tupfen.

Ein wenig verschlug es mir den Atem und ein wenig klomm auch die Unsicherheit in mir hoch und immer wieder sah ich abwechselnd das Meer und jenen älteren Herrn an.

Türkis, dass ist doch ihre Farbe? fragte er.

Ich nicke nur.

Dann holt er schwungvoll mit seinem rechten Arm aus und der ganze Horizont schimmerte in den Farben des Regenbogens.

Oder doch lieber so?

Bevor ich in irgendeiner Weise reagieren konnte, kam Don Quichotte angerauscht– nicht auf seinem Rosinante, sondern auf einem Wal, der prustend durch das Türkis pflügte und lauter kleine Sterne an den regenbogenfarbenen Himmel pustete.

 

Ach - da kamen also die Sterne her, dachte das junge Fräulei.

 

Herr Amygdala – so hatte sich der ältere Herr, dem jungen Fräulein mittlerweile vorgestellt, meinte nur:

Ja da kommen die Sterne her

und der Morgentau auf frischem Grün.

Gepustete Sterne auf regenbogenfarbenem Himmel,

und Charon am Firmament, verzichtet auf zwei Münzen.

Ich hab das geschrieben, vor ihrem Vergessen junges Fräulein

und ich schreibe weiter, wider dem Vergessen

Manchmal tauch ich auf, in einem unvermuteten Moment,

und dann steck ich ihnen ein Gänseblümchen hinter`s Ohr.

In einem Padum

ich tauch auf in einem Padum – Padum

Padum-Padum

 

Die Stimme des Schaffners dröhnt in meinem Ohr.

Ich brauch ihre Fahrkarte. Ohne Fahrkarte muss ich sie des Zuges verweisen und eine Gebühr von 40 Euro einziehen.

Hallo, hören Sie? Ich brauch ihre Fahrkarte.

Gehen sie nicht über Los, begeben sie sich direkt in das Gefängnis – geht es mir durch den Sinn und das obwohl ich eine gültige Fahrkarte habe.

Benommen reich ich dem Schaffner die Erlaubnis, sich vom Padum offiziell einlullen zu lassen und als der Schaffner weiter in die Gleichförmigkeit trottet

und sich hinter ihm die Tür, mit einem leisen Sch schließt,

steh ich auf und zieh die Notbremse.

Es dauert ewig, bis der Zug quietschend und kreischend zum Stillstand kommt.

Dann öffne ich die Tür, steige die Stufen hinab und bin beindruckt von der Weite und der Farbe der Welt.

Es ist kein Regenbogen, sondern schnödes Blau am Himmel,

kein Wal prustet und kein Don Quichotte weit und breit,

das Gras hat das Grün des Sommers

und ich schreite hindurch wie durch türkisfarbenes Meer.

Kein Padum. Kein Sch.

Kein Schaffner der die Fahrkarte will für das Padum.

Nur ein Gänseblümchen, das da Weiß mit einem goldenem Kern, hinter meinem Ohr klemmt.

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