Sie umkreisten sich wachsam und die Aufmerksamkeit wurde auch nicht in banalen Nebensätzen ,
wie zum Beispiel der Frage welches Gericht auf der Speisekarte sie denn nun wählen würde, geringer
Wählen, immerschon konnte sie sich nie entscheiden und so eine Speisekarte war an sich schon eine Herausforderung für sich.
Er wusste schon lange was er wollte und nachdem der Ober wie zufällig ein drittes mal an ihrem Tisch vorbei kam, hatte auch sie ihre Wahl getroffen, speisekartenmäßig.
Imagination war es allein was sie bislang verband. Seine Vorstellung und ihre Vorstellung, die sich zuerst im chat annäherte und dann am Telefon ihre Wege fand.
Es müsse ihr klar sein, sagte er, wenn sie sich entschied ja zu sagen, dann habe sie sich zu fügen, in seinen Willen.
Wie oft hatte sie das in ähnlicher Weise gehört, das sie zu gehorchen habe, das sie sich zu unterwerfen habe..........und letztlich war immer ihr Willen, ihre Durchsetzungskraft zu groß, oder die Selbstbeherrschung auf Seiten des Mannes zu gering, sodass sie nie wirklich weiter kam in ihrer submissiven Entwicklung und dem Gefühl des Unterworfen seins.
Sie stagnierte und das schon seit einer kleinen Ewigkeit und sie sagte ihm auf den Kopf zu, das er sich das abschminken könne, das sie sich in ihrer Persönlichkeit kleiner machen würde, nur damit er das Gefühl der Überlegenheit hätte.
Was ihn schmunzeln machte, aber die normalerweise einsetzende Litanei von wegen der ganzen dominanten Fähigkeiten blieb aus. Allein, sein Satz: das er dafür Sorge tragen würde, das sie sich fügt, bereitete ihr grummeliges Wohlbehagen in der Leibesmitte und sie glaubte ihm, obwohl es ihr an Vorstellungskraft fehlte, das es auch so sein würde.
Wie sehr hatte sie damals alles unterschätzt, die Tragweite der Emotionen die binden, die Bindungsfähigkeit von hingegebenen Grenzen, das Zugehörigkeitsgefühl zu dem der das submissive fordert und fördert, nicht zuletzt die tiefe der Verbundenheit die entstand und die sie so nie kannte.
Was man nicht kennt, kann man nicht einschätzen, man ahnt es vielleicht und eine unbestimmte Sehnsucht flüstert einem zu, da gibt es etwas wovon du noch nichts weißt, und - was man nicht kennt vermisst man nicht.
Er bereicherte ihre Vorstellungskraft an diesem Abend, auf eine ganz banale, simple Art – er ließ sich nicht durch ihre Selbstverständlichkeit mit der sie ihm die Antwort auf eine Frage verweigerte, abschrecken , sondern trat ihr mit seiner Selbstverständlichkeit entgegen
Er erinnerte sie daran das sie ihr Ja gegeben hatte zu dieser Beziehung in der er seine Forderungen erfüllt haben wollte, griff ihr dabei unsanft ins Haar und schleifte sie durch den halben Raum des Hotelzimmers um in einem Sessel Platz zu nehmen und sie ganz schnöde übers Knie zu legen.
Sie weinte, obwohl sie sich sicher gewesen war, nie einem Mann ihre Tränen zu zeigen, und sie konnte sich nicht entscheiden ob es Tränen des Zorns oder Tränen der Erleichterung waren.
Es war der Beginn der Akzeptanz, ihn in seinem Wollem anzunehmen, sich in seinen Willen zu fügen.
Seine Hand war für sie an diesem Abend, kalt, hart und fremd und als er ihr sagte, das der Tag kommen würde, an dem sie das anders wahrnehmen würde, schüttelte sie nur ungläubig den Kopf.
Niemals würde sich das ändern, niemals würde sie darin Wärme und Vertrautheit wahrnehmen, nicht allein weil sie viel zu sehr ein Feigling in Sachen Schmerz war.
Wochen später, als ihre gemeinsam gesammelten Erfahrungen die Akzeptanz verstärkten, ihr Vertrauen in ihn rückhaltslos war, gab es nichts mehr kaltes und hartes. Sie stellte mit einem ungläubigen Erstaunen fest, das sie es liebte wenn sie über seinen Knien lag.
Niemals ist ein großes Wort, ein so großes Wort wie immer.
Sie strich das Wort niemals aus ihrem Wortschatz und hatte ihre Freude daran zu entdecken das es im Fühlen Bedingungslosigkeit gab, die sie manchmal sehr nachdenklich aber nicht fürchten machte.
Zum erstemal durfte sie sein, als der Mensch mit all seinen Facetten und sie fühlte sich rundum angenommen und angekommen.
Das es für ihn auch das Erstemal war, das er diese Tiefe an Emotionen erlebte, erstaunte sie zwar aber sie verschwendete keinen Gedanken daran, das er sich vielleicht fürchten könnte, sie kam gar nicht auf die Idee, das es so sein könnte.
Erst als nach einem Jahr, die Worte zwischen ihnen immer weniger wurden, ahnte sie das er den Verlust seiner Freiheit fürchtete, und weil sie fürchtete ihn zu verlieren, sprach sie seine Furcht nie an.
Bis die Wortlosigkeit den vollen Raum einnahm, sie wusste das er still gegangen war und sie sich verzweifelt an gesagten Worten der Vergangenheit festhielt.
Immer ist ein großes Wort, der Glaube an Beständigkeit steht dem in nichts nach, und auch wenn die Schmerzlichkeit eine ungeahnte Dimension einnimmt, so blieb für sie , nur das Lernen das nichts in diesem Leben ewiglich währt.
Lange Zeit wusste sie nicht, ob sie es bedauern sollte dieses Fühlen kennen gelernt zu haben, weil das Ausmaß des Vermissens so elendiglich groß war, oder ob sie sich glücklich schätzen sollte, dieses Fühlen erlebt zu haben, weil die Intensität so immens war.
Nachdem der Schmerz über den Verlust sich verändert hatte, und er nicht mehr so stet in ihr pulsierte, sah sie es als Bereicherung und der Blick zurück geschah mit einem weinendem und einem lachenden Auge, so wie man die Vergangenheit schaut, die einmal war und nicht mehr ist.
Es bereitete ihr dann aber doch ein gewisses Maß an Genugtuung, als er sich Monate später wieder bei ihr meldete, mit dem Wunsch nochmals neu zu beginnen .Sie merkte wie alles in ihr brannte und die Sehnsucht in ihr drang nachzugeben, bis ihre Ratio zu ihr durchdrang und ganz klar aufzeigte das das ursprüngliche Vertrauen zu ihm, nicht wieder diese Größe erreichen würde und die Chance der Grenzenlosigkeit für sie beide vertan war.
So entschied sie dann wohl mit einer Traurigkeit aber mit dem Wissen, das eine andere Wahl gar nicht möglich gewesen wäre.