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meine Katze und ich - oder, zwei Welten die da zusammen leben

vomLeben

Meine Katze ist bei mir unten durch.
So was von unten durch, unten durcher geht gar nicht mehr.
Was hab ich ihr nicht alles im Lauf der Jahre großmütig verziehen.
Das sie mitten in der Nacht das ganze Haus auf den Kopf stellt, weil draußen ihr Freund vor lauter Verlassenheit das Dorf zusammen jault.
Das sie, wenn man sie nicht zackig genug herein lässt, einfach an den Fensterstreben hochklettert um dann kläglich miauend, dort oben zu hängen und mir deutlich  macht, wie herzlos ich bin, so ein armes Katzenwesen, draußen vor der Tür versauern zu lassen.
Das macht sie übrigens nur wenn`s regnet, das hochklettern an den Fensterstreben – sie denkt da nämlich an meinen Adrenalinspiegel und meine natürliche Aversion gegen das Fenster putzen.
Dieses Spielchen geht natürlich auch andersrum, wenn sie nach draußen will und ich nicht schnell genug als Türöffner diene, dann kratzt sie sämtliche Türen zusammen.
An manchen Tagen gewinne ich den Eindruck ich bin ein rotierender Türöffner.
Im drei Minutentakt,
Haustüre auf, Madame herein, Haustüre zu.
Terrassentüre auf, Madame heraus, Terrassentüre zu.
Terrassentüre auf, Madame herein, Terrassentüre zu.
  Haustüre auf, Madame heraus, Haustüre zu.
Ohne große Übertreibung – so könnte ich jetzt locker die nächsten 10 Seiten füllen. Aber im Gegensatz zu manch einer Katze, tu ich keinem Menschen so eine Unendlichkeit an.
Ich hab ihr verziehen, dass sie immer, wirklich immer, wenn ich mein Nickerchen auf dem Sofa hielt (ich bin ja mittlerweile so ein oldsmobile, das solche Ruhepausen braucht) sie mit einem Satz auf meiner Brust saß, nur um dann gelangweilt davon zu schlenzen und so zu tun, als ob ich gar nicht da wäre.
Nur den mitternächtlichen Angriff, als ich im Schlafsack unter freiem Sternenhimmel im Garten schlief, den hab ich ihr nie so ganz verziehen – da fehlte nicht viel und ich wäre fast einem Herzschlag erlegen – als ob man so mit einem oldsmobil umgehen würde.
Ich hab ihr verziehen,
was ein jahrelanger Lernprozess war,
dass sie jeden Morgen- wenn ich die Augen noch nicht einmal richtig offen habe und ich mich  hilflos tastend in der Küche bewege,  um fast blind und gänzlich denkunfähig nach dem Ding zu suchen, das sich Kaffemaschine nennt -
eine permanente Fußangel darstellt, die erst zum Gott erbarmen jämmerlich vor sich hinfiept, um dann,
im Angesicht des drohenden Hungertods, von jämmerlich in die empörte Tonlage zu schalten.
Bin  ich  dann zu oldsmobilmäßig und berühr Madam noch ausversehenerweise in dieser empörten Tonlage  – was ja nicht ausbleibt, wenn eine Katze eine lebende Stolperfalle sein will – dann faucht sie mich doch tatsächlich an.
Manchmal kommt da der Wunsch in mir hoch,  so ein klitzekleines bisschen Katzenemanzipiert  zu  sein und ich  fauch einfach zurück.
Dann guckt sie mich an, als wäre ich bekloppt.
Ich hab wortlos, um nicht zu sagen sprachlos, akzeptiert, das sie mir tote Mäuse vor die Türe legt und ich hab mir von einem netten Menschen erklären lassen, dass das ein Liebesbeweis erster Kajüte ist.
Wie ich mir auch erklären ließ,
das Katzen, wenn sie mit den Augen blinzeln, lächeln.
Ab und an, also wenn ich nicht gerade schwer mit verzeihen beschäftigt bin, dann blinzel ich meine Katze an
und ab und an, wenn sie nicht gerade schwer damit beschäftigt ist, wie man ein oldsmobil in den frühen Herztod treiben kann, dann blinzelt sie zurück.
Unten durch ist sie aber trotzdem, wir hatten nämlich ein agreement
das da hieß, sie sorgt dafür das keine Mäuse ins Haus kommen, und ich übe mich im Verzeihen wie ein Weltmeister.
Alle normalen Katzen halten sich an dieses agreement, und was tut meine?
Exakt alment, sie bringt eine Maus ins Haus, lebend.
Schmeißt mir dieses kleine, braune Fellgewusel vor die Füße, schaut mich an und – blinzelt.
Tscha nu sitzt die Maus hinter dem Bücherschrank und ich davor, bewaffnet mit einem kleinen Eimer um sie vielleicht da hinein zu bugsieren, wenn sie sich denn einmal hervor traut.
Ab und an schaut meine Katze vorbei und setzt sich ganz still und aufmerksam neben mich.Wir fixieren dann beide den Bücherschrank mit Blicken und harren der Maus die da kommt, oder auch nicht.
Weil ich ja keine Katze bin, fang ich an  ganz leise vor mich hin zu fluchen. Vor allen Dingen darüber, dass das eigentlich ihr job wäre und dabei schau ich der Verzeihlichen sehr ernst, sehr tief
UND
ohne zu blinzeln in die Augen.
Worauf sie, was macht?
Richtig, sie blinzelt. Blink, blink, blink – und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich vermuten, da liegt ein:
Du machst das schon ganz gut
darin.
  Dann gähnt sie herzzerreißend tief, zeigt all ihre scharfen Beisserchen, räkelt sich lange und genüsslich und tappert gelangweilt von dannen.
Bei mir ist sie unten durch, aber wenn ich das so richtig überblicke
bleibt mir gar keine Wahl als mühsam eine Stufe weiter, in der Kunst des Verzeihens zu klettern.
  Und heute Abend, wenn ich immer noch mit meinem Eimerchen vor dem Bücherschrank sitze, kommt sie garantiert wieder und schaut mich pikiert an, weil die Maus immer noch dahinter sitzt.
Ich blinzel dann nur.

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Kommentare: 2

  • #1

    Michael J. (Donnerstag, 16 Dezember 2010 14:45)

    ..... auch ich liebe meine Katze!

  • #2

    regina "reka50" (Samstag, 10 September 2011 01:04)

    ...ein Jeder bekommt was er/sie verdient...grins
    wunderschöne Geschichte ! ganz lieben Gruss
    freue mich auf weitere...

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