Lena ist sich nicht sicher, ob es eine typisch frauliche Eigenschaft ist, im Frühjahr die Möbel zu rücken und des Winters sich ins eigene Zimmer zurück zuziehen und in der Vergangenheit zu
stöbern.
Ihr deucht es fast, das ist so ein kleiner Ritus, der sich Jahr für Jahr wiederholt. Ein Ritus der dem Neuen Platz einräumt und dem Vergangenem die Trauer gestattet, die Vergangenheit mitunter
braucht.
In ihrem Zimmer, unter dem Dachboden, findet sich ein Kerbholz.
5 tiefe Kerben trägt dieses Holz und eine jede der tiefen Kerben , hatte er verstärken lassen , mit einem schmalen Ring aus Gold.
Fein säuberlich hat sie dieses Kerbholz an die Wand „gepinnt“, vor Jahren.
Über all die Jahre war es „unsichtbar“ gewesen, Lena hatte es nicht gesehen.
Dieser Winter war lang gewesen und Lena ging in ihr Zimmer um die obligatorische Generalreinigung anzugehen und blieb an ihrer Seemanstruhe hängen – das erste mal nach Jahren.
Lena stellte den Putzeimer zur Seite, kniete vor der Truhe und hob langsam den Deckel an.
Obenauf fanden sich Mitbringgeschenke, die kleinen Dinger für Unerwartetes, darunter, Kalender mit Notizen, Dates und Telefonnummern und sie musste grinsen, lieber Gott, echt, Dietmar tauchte
wieder auf, und Klaus und und und............
Lenas Tagebuch von anno düs - sie geht die Seiten durch, mein Gott, wie jung und naiv und es klopft das Bedauern an, dieses Naive in großen Teilen verloren zu haben.
Alles stapelt sie fein säuberlich neben sich und dann taucht das auf, worüber Lena all die Jahre diese Kleinigkeiten gestapelt hatte.
Ein kleines Kistchen umwickelt mit blau-weißem Leinenstoff , darin ihr , oder sein Tagebuch, eine Schlafbrille, sündhaft teure Nylons, ein Plug , Muscheln und unter alledem ihr Halsband.
Ein Hundehalsband
Lange nachdem ihre Beziehung zu Ende war, hatte er Lena gefragt
hast du noch etwas davon?
Und Lena hatte ihren Schutzwall hochgefahren und hatte gesagt, das sie alles weggeworfen hätte, die Röcke, die Blusen, die Pumps, weil niemals mehr würde sie etwas davon tragen.
Das mit dem Halsband und den anderen Kleinigkeiten, verschwieg sie ihm.
Es ging ihn ja auch nichts mehr an, mit was und wie sie sich ihr Leben gestaltete.
Es macht sich in Lena ein tiefes Seufzen breit, leicht oder schwer, sie kann sich wieder einmal nicht entscheiden.
Das ist doch das Schöne, das du dich nie entscheiden kannst – sie sieht ihn grinsen.
Das erstemal seit Jahren, liest Lena die Seiten durch.
und sieht den Glauben einer jungen Frau an einen gereiften Mann.
Ihr erstes Date in Bonita Springs, die erste Kerbe im Kerbholz
weil Lena vor lauter Aufregung die Bluse, die Pumps und den Rock vergessen hatte – es konnte natürlich auch sein das ihre Aversion gegen diese Kleidungsstücke sie das vergessen ließ.
Lena kann sich diesbezüglich mal wieder nicht entscheiden, während für ihn der Fall ganz klar ist.
Ihr Hintern und ihre Scham glühen an diesem Abend, und Lena ist ihm dankbar das er ihr den Rückzug in Gründe für eine Strafe gestattet.
Der Golf von Mexiko wirft seine Wellen an den weißen Strand und Lena steht mitten darin, atemlos und berauscht von dem neuen Horizont der sich vor ihr eröffnet.
Die zweite Kerbe,
Lena weiß es nicht mehr und blättert durch das Tagebuch, bis sie es wieder findet.
die Lüge
Ihre Lüge, als sie sagte das sie ihm treu sein würde, und als sie zumindest die sexuelle Treue in den Wind schoss, weil die Lust mit ihr durch ging.
Danach musste sie still halten und die Männer die in sie eindrangen, durften sie nicht mit den Händen oder anderen Körperteilen berühren, sie durften nur mit ihrem Schwanz tief in ihren Körper
stoßen.
Hinterher war sie still und er nahm sie in die Arme und ließ sie weinen, das erstemal seit Jahren.
Danach konnte sie los lassen, danach hatte sie ihre Tränen wieder gefunden und erhob ihn zum Gott darüber.
Es war immer Bonita Springs, es war immer der Golf von Mexiko der ihre Füße umspülte und dessen Horizont so unendlich schien. In ihrem Rücken stand jener Mann, der ihr erlaubte zu weinen, ganz
tief, der sie eng mit den Armen umschlang während er die Tränen gleichermaßen in sie hinein und hinaus trieb.
Die dritte Kerbe, und sie muss grinsen
teure Nylons und aufpumbare Plugs, mit seiner Anmerkung das er gar nichts machen würde, das er erwarte, das Lena seinen Wünschen entspräche und sich nackt vor ihm spreizte und eben jene sündhaft
teuren Nylons oder Plug dort einführte wo nie die Sonne schien, und er würde zu sehen.
Nur zusehen, verstehst du Kleines, und wenn du das nicht hinbringst dann unterstützt ich dich, ob dir das dann behagt oder nicht.
Und das bei Lenas Entscheidungsfreude.
Sie lernte es aber. Sich zu entscheiden, zwischen sich selbst demütigen vor ihm, oder von ihm auf empfindliche Stellen mit der Gerte geschlagen zu werden.
Die vierte Kerbe stand an sich für etwas ganz banales,
die Akzeptanz das sie auch sein Spielzeug war
und das erstaunlichste für Lena daran war, das sie sich in diesem Objekt für ihn sein, wohl und geborgen fühlte.
Die fünfte Kerbe war der Sonnenuntergang über dem Golf von Mexiko
überdimensional fanden 5 Jahre ihre Ende
und während der Golf ein letztes mal um ihre Beine spülte,
versuchte sie nicht zu weinen ob der Größe des Schmerzes.
Es lag lange zurück, und Lena erhob sich wieder von ihren Knien, sah nachdenklich das Kerbholz an und nahm es dann behutsam von der Wand.
Sie entstaubte das Holz, und legte es dann in die kleine Kiste die mit blau-weißem Leinen umschlagen war.
Dann stellte sie die kleine Kiste ganz unten auf den Boden der Seemanstruhe und räumte nach und nach den Rest wieder ein, bis die Vergangenheit unsichtbar war und schloss den Deckel der Truhe.