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Sa

09

Jan

2010

Alltag

vomLeben

Nun war es so weit

die Lebensmittelvorräte neigten sich dem Ende zu und einer von ihnen beiden musste sich hinaus wagen in die Widrigkeiten des Winters um dafür zu sorgen, das sie wieder etwas zu Essen im Hause hatten.

Hannes fiel aus, weil seine Erkältung eher eine Grippe war – sagte Hannes,

also blieb nur Ella über, die sich zwiebelmäßig einkleidete

zwei Paar Leggins unter der regulären Hose, zwei Sweater und einen Pullover, drüber eine dicke Jacke, über den zwei Paar Socken feste Stiefel , auf dem Haupt eine Filzmütze mit Ohrenklappen und natürlich dicke Handschuhe.

Wenn`s um das schiere Überleben ging, ließ Frau auch mal die Eitelkeit sausen und als Ella daran ging sich dem kalten Wind und den Minustemperaturen zu stellen, verabschiedete sie sich mit den Worten:

Egal was passiert Hannes, ich komme zurück ,dann werden wir wieder etwas zu essen haben, ich lass dich nicht im Stich.

Dann zog sie die Tür hinter sich zu und begann den Weg von der Einöde zurück in die Zivilisation. Der Wind blies ihr eisig ins Gesicht, sodass Ella automatisch den Kopf einzog um dem Wind weniger Angriffsfläche zu bieten.

Ella fluchte ein bisschen vor sich hin, dass sie viel lieber vor dem Kachelofen sitzen würde, dass Winter sowieso mistig ist, dass sie gar nicht taugt als Lebensretterin und das das Leben überhaupt ziemlich hart und unfair war.

Die ersten Schritte waren immer hart und der Fichtenwald der rechter hand von ihr Spalier stand, schien ihr in seiner innewohnenden Düsternis zuzustimmen.

Stoisch setzte Ella einen Fuß vor den anderen, ließ den Fichtenwald und die Anhöhe hinter sich zurück und fand sich bald darauf im Auwaldtal wieder.

Dort blies der Wind nicht mehr ganz so kräftig und Ella konnte den Blick über das Tal gleiten lassen, ohne das der Wind ihr ins Gesicht biss.

Wie eine dunkle Schlange schlängelte sich die Auer durch das schneeweiße Tal, gerahmt von Weiden und kahlem Gestrüpp. An ihrem Ufer wuchsen Eiszapfen, die teilweise ins Wasser hineinragten und kleine Inselchen bildeten, um die der Fluss vergnüglich herum glugste und kleine Verwirbelungen entstehen ließ.

Der Weg der sich neben der Auer durch das Tal schlängelte, war durch den vielen Schnee verborgen, wie die Felder und Äcker verborgen lagen unter einer Schneedecke ,durch die der Wind, den Schnee nach seiner Facon trieb ,Schneeverwehungen anhäufte und so der ganzen Landschaft ein neues Gesicht verlieh.

Jungfräulich und unberührt lag das Land vor Ella, und es war fast so als stünde über allem:

Erobere mich, entdecke mich, sieh was ich zu geben habe,

während du eintrittst, durch mich ziehst , als der erste Mensch in einem unentdecktem Land, dort wo es noch niemanden hin verschlagen hat, dort wo noch niemand seine Spuren hinterlassen hat.

 

Ella beschloss über diesen Anblick, erst gar nicht nach dem Weg suchen zu wollen, sondern stapfte gleich querfeldein, über die verwehten Äcker.

Immer wieder versank sie knietief im Schnee und immer wieder kämpfte sie sich daraus hervor – fluchte wieder ein bisschen vor sich hin, weshalb man sich so einen Schmäh überhaupt antat und fand die Welt in seiner Jungfräulichkeit nur noch anstrengend.

Nachdem sie auf diese kraftfordernde Art dem Flusslauf gut 3km abwärts gefolgt war, kam sie zu einer Furt über die die Menschen schon vor Jahrzehnten eine Art Brückenweg gebaut hatten. Dem Fluss fehlten nur noch ein paar Zentimeter und dann würde man bestenfalls nur noch ahnen können das sich hier einmal ein Überweg befunden hatte.

Sie würde sich sputen müssen, wenn sie auf dem Rückweg wieder diese Furt nutzen wollte.

Als sie in der Mitte des Flussübergangs angekommen war, hielt sie in dem leise vor sich hin gurgelndem Fluss nach Neptun Ausschau.

Nachdem der sich nicht blicken ließ, stellte sie ihre Bitte einfach so in die Welt:

der werte Herr Neptun möge doch bitte so nett sein, und die Furt frei halten bis sie wieder von den Händlern zurück war – dann müsste ein gewisser Hannes nicht elendiglich den Hungertod sterben und Ella würde Neptun auch etwas Kleines mitbringen.

Götter liebten Überraschungen, dass wusste Ella und so nahm sie es als gutes Omen, als sich hinter der Furt der Weg wieder fand und sie die letzten Kilometer ihres Weges in leichter Gangart und ohne große Anstrengungen bewältigen konnte.

In der Zivilisation klapperte Ella sämtliche Händler ab, füllte den Rucksack nach und nach mit all den Dingen die man zum Überleben brauchte, bekam von einem der Händler einen scheelen Blick, ob ihrer Bemerkung das sie die Goldstücke zu Hause gelassen hatte und leider nur mit diesem Plastikgeld zahlen könne.Wahrscheinlich war der Händler noch nie in einer jungfräulichen Welt unterwegs gewesen – aber , was solls, das musste ja nicht Ellas Problem sein.

Zum Schluss kaufte sie noch ein kleines Fläschchen kleiner Feigling( Hannes sagte dazu immer Weibergesöff, und Ella hoffte schwer, dass Götter das anders sahen), das sie in ihre Jackentasche steckte und begann dann, den Rückweg anzutreten.

Ellas Wangen glühten, als sie glücklich wieder in der Mitte – Neptun sei Dank – der Furt stand und das „Kleine“ Mitgebrachte in den Fluss plätschern ließ, in der Hoffnung, dass sich Neptun nicht am Namen störte.

Dann setzte sie ihren Heimweg fort,und als sie die Anhöhe mit dem Fichtenwald erreichte, blickte sie noch einmal zurück, sah die Auer unter sich durch das Tal schlängeln und war von einer stillen Freude angefüllt.

Zu Hause angekommen, öffnete ihr Hannes die Tür, und meinte nur, das sie ja auch mal ganz normal einkaufen gehen könnte – mit Auto und so

jo, meinte Ella, das könnte ich...............

 

 

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