Ich war noch nie in Irland und trotzdem liegt es mir im Herzen. Woher das kommt, hätte wohl die gleiche Antwort , wie die Frage woher die Liebe zum Meer kommt.
Man trägt es in sich, und zudem finde ich es faszinierend das ein ganzes Land sich nach Trollen richtet.
Baut man in Irland eine neue Straße, muss erstmal geklärt werden, ob dort Trolle in dem anvisiertem Gebiet leben. Wenn dort Trolle leben, kann die Straße dort nicht gebaut werden, und wenn sie doch gebaut wird, dann macht sie ganz irrige Windungen, um die „Wohnungen“ der Trolle drumrum.
Die Trolle haben also in der Tat einen fundamentalen Einfluss auf das Leben der Iren, und das nicht nur in Sachen Straßenbau.
Ja, und ich nun, vielleicht bin ich ja irgendwie eine Irin die es ausversehenerweise an den falschen Flecken der Erde verschlagen hat, in ein Deutschland, wo sich die Menschen unauffällig an die Stirn langen, wenn man sich nicht wirklich zweifelsfrei entscheiden kann – gegen Trolle.
Die Rauhreifnächte, die letzten 12 Tage des Jahres, in dem sich Geister verabschieden, neue eintrudeln, das Böse des Nächtens um die Ecken zieht, um zu schauen wo es Einlass findet. Schabernackige Geister, die kichernd Unfug betreiben, von harmlos bis nachhaltig denkenswert und alles findet seinen Höhepunkt in der Nacht zum 21 Dezember , der längsten Nacht des Jahres, danach erobert sich das Licht wieder seinen Platz zurück, die Tage werden länger, die Wärme haucht der Erde wieder Leben ein, bis im Juli die Nacht auf ihr Recht besteht, und sich alles wieder umkehrt.
Ich hatte mich lange schon für Trolle entschieden. Nachdem ich mal einen Apfelbaum in meinem Garten gefällt hatte, und danach wirklich so ziemlich alle Haushaltsgeräte den Geist aufgegeben hatten – so ganz elementare Gerätschaften, wie
Waschmaschine, Backofen, Herd, Spülmaschine und zwar binnen einer Woche – war für mich unumstößlich klar, da waren Trolle am Werk, bzw ich musste die Trolle dermaßen beleidigt haben, als ich ohne zu Fragen den Apfelbaum fällte, das sie mir nur noch Scherereien bereiteten.
Ich hab versucht die Trolle zu besänftigen, in dem ich Abends immer ein paar kleine Leckereien in den Garten stellte, die dann Morgens auch immer weg waren – nur hat sich nie geklärt, ob das nun die Trolle, unsere Igel oder doch einfach nur unsere Wetterhexe (die Katze) war.
Zur Sicherheit deckte ich nun den Tisch immer noch mit einem Gedeck mehr ein – falls der Obertroll die Traute haben sollte, mir sein Beleidigt sein , direkt von Auge zu Auge ins Gesicht zu schleudern und er sich mit mir ,beim Essen versöhnen wollte.
Das tat er natülich nicht der Obertroll und was meine Kinder dazu sagten, behalt ich stillschweigend für mich, alles muss die Öffentlichkeit nun auch nicht wissen.
Lustigerweise klingelte es aber seither immer zu Essenszeiten an der Tür, und die verwunderten Blicke des Besuchers , ob des Gedecks, das da schon für ihn stand, einschließlich der Frage
Hey, woher wusstest du das ich komme
machte all das wieder wett.
Irgendwann hatte auch das Beleidigt sein meines Obertrolles wieder aufgehört, und sowohl die Trolle als auch ich, lebten in einem harmonischem Nebeneinander.
Jetzt fragen Sie sich natürlich zu recht, was das denn bitte schön alles mit Rauhreifnächten zu tun hat
das ist nämlich so:
Irgendwann musste sich zu meinen Haustrollen, die, solange man nicht ihre Bäume fällte, absolut friedliebend sind, noch ein anderer Troll gesellt haben.
Ein unangenehmer Zeitgenosse ,immer hinterrücks agierend, nicht zu besänftigen und durch nichts ließ sich eine fröhliche Seite in ihm wecken.
Ich war chancenlos und ich wusste noch nicht einmal womit ich mir diesen bösen Troll verdient hatte. Eine zeit lang fochten wir Machtkämpfe die ich in aller Regelmäßigkeit verlor, eine zeit lang tat ich so, als interessierte es mich einen feuchten Kehricht was dieser Troll mit meinem Leben veranstaltete,
nur besser wurde darüber nichts, sondern im Gegenteil, die Situation verschärfte sich zusehends.
Mein ganzes Leben geriet darüber aus den Fugen und am tiefsten Punkt, fasste ich ein Resumee, ein schmerzhaftes und befreiendes. Ich schaute mir ganz klar ins Herz, ließ all das los ,wovon ich mich schon lange hätte trennen sollen, sammelte all das wieder ein, was ich so lange vernachlässigt hatte, und fügte alles wieder zusammen und fand meine innere Mitte wieder.
Ich lag am Boden ,stand wieder auf, und als ich wieder stand, gab es nichts mehr, was da ein Troll ins Wanken hätte bringen können.
Natürlich sagte ich das meinem Troll, was er mir nicht glauben wollte und eine Weile versuchte er seine boshaften Spiele weiter.
Am 20 Dezember Morgens, schlug ich die Augen auf und tief in mir grummelte eine Stimme bleib liegen. Ich blieb natürlich nicht liegen, sondern stand auf,
schmiss die Kaffeemaschine an, fütterte den Kaminofen mit Holz und ging in den Keller um neues Holz hoch zu holen.
Ich hatte die Arme schon voller Holzscheite, als vor mir das deckenhoch gestapelte Holz nachgab und auf mich runter stürzte.
Begraben unter Holz und ich war mir sicher, nie wieder würde ich mich bewegen – Himmel, ehrlich, für manchen Scheiss bin ich einfach zu alt.
Logisch berappelte ich mich wieder, ging nach oben und schlürfte erstmal eine Schale Kaffee und schaute dem Flammenspiel im Kaminofen zu- und irgendeine Stimme in mir flüsterte wieder , Frau vergiss den Tag heute einfach, und beweg dich keinen Schnalzer mehr.
Ich machte natürlich weiter mit dem Tag, und es ging weiter, aber wie.
Mein Pc hatte ein neues Betriebssystem bekommen, und zur Datensicherung hatte ich mir alle meine mir wichtigen Dateien auf einen Usb-stick gezogen.
Nun wollte ich eben diese Dateien auf den jungfräulichen Pc rüberziehen, und was war?
Der Ordner auf dem usb-stick war leer, keine gesicherten Dateien, keine Texte, alles futsch – und ich war kurz davor in Tränen auszubrechen.
Also wieder einmal alles los lassen, akzeptieren das meine ganzen Geschichten und all so wichtige Kleinigkeiten unwiderruflich weg waren und sehen das die Welt sich trotzdem weiter dreht.
Rein theoretisch müsste so viel Desaster eigentlich gereicht haben, aber ein gewisser Troll drehte noch mal so richtig auf,als Abschiedsgeschenk quasi, vielleicht aber auch nur, das ich meine Lektion never ever wieder vergesse.
Als nächstes hat mich meine Palme attackiert, dabei wollte ich dieses riesen Teil nur einfach ein büschen drehen, wegen der gleichmäßigkeit der Sonnenbestrahlung, und dann sticht die mir mit einem Wedel fast das Auge aus – was zugegebenermaßen etwas übertrieben ist, aber vier Tage lief ich mit einem knallrotem Auge durch die Gegend, und wie das den ersten Tag, also an diesem 20.Dezember weh tat, darüber will ich gar nicht reden.
Ich war geschunden, alle Knochen schmerzten, und meine Willigkeit mich an diesem Tag nicht mehr zu bewegen , hatte immens zu genommen.
Aber
so ganz konnte ich es noch nicht lassen, also startete ich noch einen Versuch , in der simplen Annahme das beim Hefezopf backen nichts schief gehen kann.
Das funktionierte auch alles wunderbar, meine Küchenmaschine knetete den Hefeteig ohne den Geist aufzugeben , und ohne mich anzugreifen
als ich dann aber ,nachdem der Teig eine Stunde geruht hatte, den Deckel von der Schüssel abnahm, stank der Teig – nach Schuhcreme.
Fragen Sie mich nicht.
Ich weiß es nicht, die einzige Erklärung die ich habe ist trollig.
Ich haute den Deckel wieder auf die Schüssel, und das einzige was ich dachte, war
LMAA ( so was denk ich sonst nie, echt)
Dann holte ich mir Terry Pratchett – der auch so trollig ist – und wartete das dieser Tag und diese Nacht ein Ende finden würden.
Um 23.31 Uhr tat es auf dem Dachboden einen riesen Knall, aber nachdem ich nun schon meine Trolllektion intus hatte, wäre mir nicht mal ansatzweise eingefallen, hoch auf den Dachboden zu gehen, um nachzusehen was das war.
Am nächsten Tag hab ich nachgesehen. Der Dachboden war so wie er sein sollte, nichts war kaputt, nichts zerstört, und in mir wuchs die Gewissheit,
in der Nacht ist mein böser Troll ausgezogen , er hat sich ein anderes Haus gesucht, in dem er das Leben auf den Kopf stellen kann, so lange bis es jemand ordnet.
Seither ist es hier wieder schön, mittig und rund.
Im Frühjahr will ich den Ahorn vor dem Haus ein wenig kürzen, aber mittlerweile weiß ich ja, das man das vorher mit den Trollen klärt...................