Sie presste eineinhalb Kilo Kartoffeln durch die Kartoffelpresse
und fügte dem noch Mehl , Salz und Muskat bei.
Das ergab alles zusammen eine unerhörte Masse , die geknetet und geformt sein wollte .
Von Hand.
Wenn Laotse wüsste, das jedesmal wenn irgendwo in der schwäbischen Pampa Buabaspitzla geordert wurden, so eine Zugereiste gedanklich eben jenen selbigen mit seinen legendären Worten bemühte: jeder
Weg beginnt mit dem ersten Schritt – dann würde Laotse vermutlich irgendwo leise kichern, und anmerken das Schwaben und auch Zugereiste da keine Ausnahme bilden.
Hat er ja recht der Laotse, und eingeschwäbischt müsste es dann heißen: auch eine Kachel voll Buabaspitzla beginnt mit dem Ausformen der ersten Nudel.
diese erste Nudel hatte was frustrierendes, das Ziel lag noch in weiter ferne und die Kachel wirkte so immens groß und so katastrophal leer.
Der Anfang sah dann immer gleich aus, sie ignorierte sowohl die Größe als auch die Leere jener Kachel , befeuchtete ihre Hände und formte diese erste Nudel, wobei sie jedesmal dachte, das es rein
rational betrachtet, sinnvoll wäre, die Familie einfach auf Diät zu setzen – ab heute nur noch halbe Portionen, und weil Buabasptizla so zeitaufwändig sind , neigte sie auch zu einer Rigorosität von
einem Drittel.
Wenn sie dann diese obligatorischen Gedanken durch hatte und diese riesige Kachel nicht mehr ganz so leer aussah, fand sie langsam hinein in den Buabaspitzlarhythmus
immer wieder tauchte sie ihre Hände in die Schüssel mit Wasser, nahm eine neue Portion Kartoffelteig , und rollte ihn zwischen ihren Händen ,bis sich daraus eine Nudel formte, in der mitte etwas
dickbäuchig und in den Enden spitz zulaufend.
Das war eine Kunst für sich, und es hatte sie gleichwohl einige Versuche als auch Nerven gekostet, bis sie den richtigen Dreh raus hatte. Mittlerweile beherrschte sie diese Kunst im Schlaf, und sie
ging mit ihren Gedanken spazieren, während ihre Hände den feuchten Teig , portionierten, rollten und das neu entstandene Buabaspitzle in der Kachel ablegten
Wieso eigentlich Buabaspitzla? Wieso macht man die Dinger nicht einfach größer
übergeht die juvenile Phase und landet direkt im Erwachsenenzeitalter – bei einem Mospitz – wie schnell wäre dann diese Kachel gefüllt, allein ob der Größe und natürlich auch durch beflügelte
Gedanken.
Weil die Welt einfach mitunter kompliziert sein muss, gab sie sich selber die Antwort .
Wie bedauerlich,da ließ sie ihre Hände wahre Wunder vollbringen, Feinarbeit von sensibelster coleur, und nichts rührte sich, nichts wuchs, alles blieb klein , nichts schwoll an
Handgeformte Buabaspitzla, handgeformte Mospitz und als Krönung über alledem mundgeblasene Mospitz - jetzt war die Frustration fast noch größer als zu Beginn, als einsam und verloren ein einziger
Buabaspitz in der Kachel lag.
In Gedanken hörte sie den Pfarrer von der Kanzel predigen, das solcherlei Gedankengut mit Fegefeuer nicht unter der Unendlichkeit bestraft wird, und das sie sich dann sowohl Buaba als auch Mospitz
abschminken könne. Im Minimum wären jetzt 100 Ave Maria fällig, wenn sie sich denn dieses Fegefeuer ersparen und zu einer geleuterten Seele gelangen wolle.
Die Welt war nicht nur kompliziert, sie war auch noch grausam obendrein.
Während zwischen ihren Händen weiter lauter kleine Buabaspitzla entstanden, begrüßte sie also ein jedes, mit einem : Ave Mospitz, gebenedeit sei die Frucht deines Leibes
und mit zunehmender Ungeduld, sehnte sie das Ende des Kartoffelteiges herbei
Den letzten Rest des Teiges, schob sie sich in den Mund, wischte sich die Hände am Hosenboden ab und rief mit vollem Mund
Hannes, ich hab Buabaspitzla gemacht, und nu sitz ich im Fegefeuer fest und brauch dringend einen Mospitz der mich erlöst.
Hannes derweil kannte das Buabaspitzla – Procedere, verzichtete deshalb auch auf die Frage
weshalb um alles in der Welt sie nicht einmal normal Buabaspitzla herstellen könne
und machte sich ans Erlösen von im Fegefeuer festsitzenden Zugereisten.